Eine Brücke zur Teilhabe – Beratung im Spannungsfeld von Migration und Behinderung
In unserer Rubrik „EUTB im Fokus“ blicken wir diesmal nach Berlin. Das EUTB®-Angebot Marzahn-Hellersdorf berät unter anderem Menschen mit Migrationsgeschichte und berichtet aus ihrem Beratungsalltag.
Frau F. kam vor einigen Monaten in unser Beratungsangebot in Marzahn-Hellersdorf. Sie ist Mitte 30, lebt seit fünf Jahren in Deutschland und ist Mutter von zwei Kindern. Seit einem Unfall in ihrem Herkunftsland hat sie eine körperliche Behinderung, die sich auf ihre Mobilität auswirkt. Im Alltag stößt sie immer wieder auf Barrieren – sprachlich, sozial und strukturell.
Als sie zu uns kam, war sie unsicher, welche Unterstützungsangebote ihr zustehen und wie sie überhaupt Zugang zu Hilfsmitteln oder Assistenz bekommen kann. Sie hatte von Bekannten gehört, dass es „irgendwelche Leistungen“ gäbe, wusste aber nicht, an welche Stelle sie sich wenden kann.
Unterstützung auf mehreren Ebenen
In der Beratung klärten wir zunächst gemeinsam ihren Status, Übersetzungshilfen und Anträge beim Sozialamt. Wir erklärten das Prinzip der Selbstbestimmung und den Unterschied zwischen medizinischer Rehabilitation und Leistungen zur sozialen Teilhabe. Besonders wichtig war es, Vertrauen aufzubauen – etwa, indem wir Sprachmittlerinnen und Sprachmittler organisierten und Informationen in Einfacher Sprache zugänglich machten.
Im weiteren Verlauf unterstützten wir die Ratsuchende dabei, einen Antrag auf ein Persönliches Budget zu stellen, um die Assistenzleistungen flexibel gestalten zu können. Parallel besprachen wir Möglichkeiten der beruflichen Teilhabe. Zudem konnten wir den Kontakt zu einer ergänzenden Wohnberatung herstellen, da sie in einer Wohnumgebung lebt, die für sie kaum barrierefrei ist.
Der Neubeginn: selbstbestimmt ins Leben
Heute nimmt Frau F. wieder aktiv am sozialen Leben teil und hat begonnen, sich ehrenamtlich in einer Initiative für Menschen mit Migrationsgeschichte zu engagieren. Das zeigt, wie Beratung Brücken bauen kann – zwischen unterschiedlichen Systemen, Sprachen und Kulturen – und wie Teilhabeberatung Menschen befähigt, ihren eigenen Weg zu gehen.
03/2026